FEU1200

1919

Feuchtwangen vor 100 Jahren
Teil II: Ein Rückkehrfest für die Kriegsteilnehmer

Zu den großen Ereignissen in den Frühlingsmonaten des Jahres 1919 zählt in Feuchtwangen die Feier für die Kriegsheimkehrer. In unruhigen Zeiten, in denen weitere Revolutionen oder Umbrüche befürchtet wurden und in denen auch vielen Feuchtwangerinnen und Feuchtwangern nicht klar war, wie die eigene Zukunft nach dem verlorenen Krieg aussehen mag, fieberte man dem Fest entgegen. Am 2. März 1919 war es dann soweit, die Kreuzgangstadt wurde direkt nach dem Kriegsende immer noch etwas martialisch mit Böllerschüssen geweckt.

Ein Festzug wurde gebildet, der von der Stadtverwaltung, der Kapelle Fürst und dem Krieger- und Veteranenverein angeführt wurde. Die heimgekehrten Soldaten erschienen laut dem Bericht des Bayerischen Grenzboten „in Feldgrau“. Vom Gasthaus Naser über die Bahnhofstraße und den Marktplatz zog man in die Johanniskirche, um einen Festgottesdienst zu halten.

Die Predigt von Pfarrer Georg Schorr drückt das Entsetzen des Krieges und die Erleichterung über das Kriegsende aus: „Nun sind wir alle hier! [...] Lange hat‘s gedauert, bis dieses ‚Nun‘ gekommen ist, unmenschlich, übermenschlich lange“. Und weiter heißt es: „Schon im
1. Kriegsjahr waren Stimmen laut geworden: Es geht nicht mehr! Als der 2. Winter sich ankündigte, da mehrten sich die Stimmen: Nun ist‘s genug und übergenug! Aber ein 3. und 4. Jahr musste noch ausgehalten werden. Ratlos, entsetzt standen wir schließlich vor dem 5. Kriegswinter. Da kamt ihr nach Hause. Und nun seid ihr alle hier!“ Von denen, die jedoch seit 1914 in den Krieg ziehen mussten, kamen bis Anfang März 153 Stadtbewohner nicht mehr heim. Unter den gefallenen Soldaten waren 31 Familienväter und, so merkt Pfarrer Schorr in der Predigt an, dass einige Familien sogar „2, 3 und mehr Trauernachrichten vom Felde“ erhielten.

In der Berichterstattung des Grenzboten findet sich nur wenig über den Gottesdienst wieder, der das Leid und die Zukunftsängste thematisiert. Ausführlicher und mit einer anderen Intention wird über den weitergehenden Festzug berichtet. Wörtlich heißt es in der Heimat-zeitung: „Nach Beendigung des Gottesdienstes gruppierte sich der Festzug um das Kriegerdenkmal, an dessen Stufen Herr Kirchenrat Schaudig in herzlicher Weise den Kriegern im Namen der Stadt Feuchtwangen und ihrer Angehörigen den Willkommensgruß der Heimat entbot und die Taten der Krieger verherrlichte“.

Das Stimmungsbild zwischen Trauer, der Erleichterung über das Kriegsende und fehlender Erklärungsmuster für den verlorenen Krieg, die später auch die Akzeptanz der Dolchstoßlegende förderten, prägten die Menschen der damaligen Zeit.

Eine Festschrift zum Abendprogramm des 2. März 1919 enthält die Widmung „Fiel auch in Scherben Deutschlands Glück und Glanz; Euch wird die Nachwelt nicht den Lorbeer wehren; Und kehrt ihr auch nicht heim im Siegerkranz – Kein Sieger noch war würdig gleicher Ehren!“ Es verwundert daher nicht, dass der Festabend in der Turnhalle mit insgesamt 16 Programmpunkten ein wildes Potpuorri dieser Ambivalenz aus Märschen („Alte Kameraden“, „Mit Eichenlaub und Schwertern“), einem Walzer („Schenk mir Dein Herz“), zahlreichen Ansprachen und Choreinlagen („Ewig liebe Heimat“, „Im Feld des Morgens früh“) wurde, in dem sich auch die Widersprüchlichkeit zwischen dem Schrecken des Krieges und seiner gleichzeitigen Verherrlichung widerspiegelte.

Die Artikel über die Kriegsheimkehrer und deren Anliegen nahmen in den Frühlingsmonaten einen großen Raum ein. Der Heimatzeitung war es am 5. März eine Nachricht wert, dass ein Dienstknecht vom Charhof „die Sprache wiedergefunden hat“. Auslöser, so die damalige Sicht, seien schwere Erkältungen während des Kriegseinsatzes im Jahre 1915 in Flandern gewesen, die dazu führten, dass der Mann fast vier Jahre kein einziges Wort mehr sprach. Derartige Meldungen sind aus heutiger Sicht jedoch eher Indizien für erlittene Kriegstraumata.

Doch auch wenn nun Frieden herrscht, die Sorgen der Menschen waren groß. Berichte über Aufstände, Umbrüche oder die Ausrufung der Räterepublik in München zogen ihre Kreise bis nach Feuchtwangen. Auch hier reagierte man mit Besorgnis auf die Entwicklungen und traf sich sogar zu einer großen Protestversammlung in der Turnhalle. Im Anschluss wurde die Haltung der Feuchtwangerinnen und Feuchtwanger in einem Telegramm nach München gekabelt: „An den Zentralrat in München! [...] Wir erkennen den Zentralrat, der sich selbst eingesetzt hat, als Regierung nicht an, wir erkennen das von ihm eingesetzte Ministerium nicht an; wir verlangen die sofortige Einberufung des vom ganzen Volke gewählten Landtages, [...] wir verlangen, dass dieser Landtag ein Ministerium wählt, das in seiner Zusammensetzung der des Landtages entspricht.“ Unterzeichnet wurde das Telegramm im Namen der Bürgerinnen und Bürger des gesamten Bezirksamtes vom Arbeiter-, Bauern- und Bürgerrat, dem Distriktsbauernrat und dem sozialdemokratischen Verein Feuchtwangen.

Mehr erfahren: Hier finden Sie zusätzliche Artikel zum Kriegsbeginn 1914 und zum Kriegsende 1918.

  • Die Predigten zur Krieger-Heimkehrfeier wurden auch als Broschüre aufgelegt. (Repro: Stadt Feuchtwangen, Leihgabe: Fritz Karg)

  • Die „Kriegsteilnehmer des T.V. Feuchtwangen“ im Jahr 1919. (Repro: Stadt Feuchtwangen)

  • Mit einer aufwendig gestalteten Programmbroschüre, in der eine kolorierte Feuchtwangen-Postkarte eingesetzt wurde, wurden die Abläufe der „Krieger-Heimkehrfeier“ beschrieben. (Repro: Stadt Feuchtwangen, Leihgabe: Fritz Karg)

Vor 1.200 Jahren wurde das Benediktinerkloster zum ersten Mal in einem historischen Dokument, der „Notitia de servitio monasteriorum“, im Jahr 819 erwähnt. Das Kloster gehört dabei zu vier Klöstern „in Allamannia“, die Abgaben als Unterstützung für Kaiser Ludwig den Frommen erbrachten. Diese Ersterwähnung ist der Feiergrund für unser Jubiläum „1.200 Jahre Feuchtwangen“.


Stadt Feuchtwangen, Kirchplatz 2, 91555 Feuchtwangen
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