FEU1200

Lest mehr!

Wer denkt, die Forderung nach lebenslangem Lernen sei neu, der irrt. In Feuchtwangen erschien vor fast 150 Jahren, in der Ausgabe vom 25. September 1869 des Amts- und Anzeigenblattes für das königliche Bezirksamt Feuchtwangen, ein bemerkenswerter Appell an die Jugend: Lest mehr und bildet euch fort.

Es ist in unsern Tagen so viel und oft die Rede von den großen Fortschritten, welche in allen Zweigen gewerblicher und landwirthschaftlicher Thätigkeit gemacht, und von den gesteigerten Bildungs-Ansprüchen, welche aus diesem Grunde selbst an den einfachsten Gewerbs- und Landmann gestellt werden, und man liest deshalb auch so häufig von gewerblichen und landtwirthschaftlichen Fortbildungsanstalten, die in vielen Orten und Gegenden unseres Vaterlandes gegründet und von der Staatsregierung kräftig gefördert und unterstützt werden.

Wenn es auch in hiesiger Stadt bisher nicht gelungen ist, eine derartige Anstalt ins Leben zu rufen, so sollte man doch wenigstens glauben dürfen, daß es den jungen Leuten selbst daran gelegen sein müsse, diesem Mangel einer entsprechenden Fortbildungsanstalt auf andere Weise, vornehmlich durch fleißiges Lesen angemessener, gemeinnütziger Bücher und Schriften, abzuhelfen und sich dadurch für die gesteigerten Ansprüche ihres bürgerlichen Berufes mehr und mehr heranzubilden. Allein dem ist leider nicht also. Es wird von unseren Handwerks-Lehrlingen und Gesellen in den freien Stunden - namentlich an den Sonn- und Feiertagen - wenig, sehr wenig gelesen  und obwohl der dahier bestehende Gutenbergs-Leseverein in seiner Bibliothek eine reiche Auswahl von passenden Lesebüchern für die reifere Jugend besitzt und bei der Anschaffung neuer Werke vorzugsweise auch auf junge Handwerker Rücksicht nimmt und in den letzten Jahren außer mehreren interessanten illustrierten (geschichtlichen u. geographischen) Werken und gewerbliche Kalender, Bücher über neuere Erfindungen und Entdeckungen etc. angekauft hat, und obwohl die Lesegebühr, während wöchentlich zweimal Bücher abgeholt werden können, für Gewerbs-Gehilfen und Lehrlinge jährlich nur 24 kr., für ganz unbemittelte sogar nur 12 kr. beträgt: so zählt doch dieser Verein kaum ein Paar junge Mitglieder aus unserer zahlreichen gewerblichen Bevölkerung. Möge dies bald anders, möge es besser werden und auch in unserer confirmierten Jugend der Sinn für eine gute, nützliche Lectüre erwachen!

(In der Originalrechtschreibung des Artikels)

Vor 1.200 Jahren wurde das Benediktinerkloster zum ersten Mal in einem historischen Dokument, der „Notitia de servitio monasteriorum“, im Jahr 819 erwähnt. Das Kloster gehört dabei zu vier Klöstern „in Allamannia“, die Abgaben als Unterstützung für Kaiser Ludwig den Frommen erbrachten. Diese Ersterwähnung ist der Feiergrund für unser Jubiläum „1.200 Jahre Feuchtwangen“.


Stadt Feuchtwangen, Kirchplatz 2, 91555 Feuchtwangen
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