FEU1200

Visionen 1969

Die Feuchtwanger Stadträte warfen einst einen Blick in die Zukunft


Die Kreisstadt Feuchtwangen steht in diesen Monaten am Scheideweg.“ In einer Sonderbeilage der Feuchtwanger Nachrichten wurden zur Mooswiese 1969 die Erwartung künftiger Entwicklungen der Kreuzgangstadt in den Fokus gerückt. Die 1950er und 1960er Jahre ließen, so das Fazit, Feuchtwangen mit einer „stürmischen Aufwärtsentwicklung“ anwachsen, jetzt standen für die kommenden Jahrzehnte weitere teilweise kostspielige Meilensteine an. Für die künftige Industrieansiedlung 4 Millionen, für die Baulanderschließung bis zu 5 Millionen und für die Altstadt eine Million Mark. Die Planungen für das Autobahnkreuz waren in vollem Gange und man war sich bewusst, dass „wenn jetzt die richtigen Entscheidungen gefällt werden, dann kann Feuchtwangen aus diesen Verkehrsadern eine erneute wirtschaftliche Blüte erwachsen.“ Der Schwerpunkt künftiger Chancen lag dabei in der Industrieansiedlung und im „Fremdenverkehr“, wie der Touristiksektor damals noch genannt wurde. Vielen Feuchtwangerinnen und Feuchtwangern ging die Entwicklung damals trotzdem zu langsam und auch das Spannungsverhältnis zwischen Altstadt und den neu entstandenen Wohngebieten stieß ebenfalls auf Kritik: „Gewiss zeichnen sich diese Gebiete nicht immer durch eine vorbildliche Städteplanung aus, aber sie haben auch die Entwicklung nicht gestört.“, hieß es lapidar.

Nicht nur der Blick auf das Jahr 1919, das wir in den verschiedenen Ausgaben des Jubiläumsmagazins beleuchten, auch der Blick in ein Feuchtwangen vor fünfzig Jahren zeigt ähnliche Themen, Wünsche, Bedürfnisse und Sorgen, die sich scheinbar zeitlos auch heute wiederfinden. Manches ist klar von dem Zeitgeist der 1960er Jahre geprägt, andere Einschätzungen zeugen von einer guten Weitsicht für eine lebenswerte Stadt.

Für die Mooswiesenbeilage wurden die Stadtratsmitglieder nach ihren persönlichen Vorstellungen zur künftigen Entwicklung der Stadt befragt. Für Rudi Riederer, der laut Beilage „zur jungen Garde im Ratsgremium“ zählte, hatte die mittelständische Industrieansiedlung mit Beschäftigtenzahlen zwischen 50 und 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern höchste Priorität. Der Ausbau des Freibades, die Errichtung zusätzlicher Kindergärten und der Wunsch nach einer Stadthalle standen auf seiner persönlichen Liste, aber auch die Umwandlung des Forstamtsgartens in einen großen Parkplatz und die Schaffung weiterer Parkräume in der Altstadt. Auch Stadtrat Max Ziegler hatte zu diesem Punkt klare Vorstellungen: „Die Stadt darf sich dabei nicht scheuen, Hauseingänge zu verlegen oder ganze Häuser, wie es am Kronenwirtsberg bereits geschah, zu erwerben und aus verkehrstechnischen Gründen abzureißen“. Für Stadtrat Karl Ohneberg war die Industrieansiedlung „Hundertprozentig vorrangig“, verbunden mit dem Ziel, für die künftige Autobahnanbindung „viel Reklame“ bei potenziellen Betrieben zu machen. Stadtrat Wilhelm Klapatek wünschte sich neue Betriebe, „in denen sowohl männliche als auch weibliche Arbeitskräfte unterkommen können“. Stadtrat Ernst Dobisch kritisierte fehlendes kommunalpolitisches Engagement in der Bürgerschaft und meinte: „Ich spreche damit hauptsächlich solche Leute an, die sich nur dann für das Geschehen bei der Stadt interessieren, wenn es um ihren eigenen Geldbeutel geht.“ Und auch die Gesamtrückschau fällt bei ihm eher kritisch aus: „Es ist vieles getan worden, doch mehr wäre besser gewesen.“

Stadtrat Georg Schmidt waren Ende der 1960er Jahre die Preise der Gastronomie zu teuer und er erwartete nur dann eine sichtbare Tourismusentwicklung, wenn es entsprechende Anpassungen gäbe: „Zur Zeit sind die Feuchtwanger Gaststättenpreise entschieden zu hoch, ich glaube, dass sie die Urlauber eher abstoßen als anziehen.“

Stadtrat Willy Trumpp war neben einer Ansiedlungspolitik für „mittelgroße, gesunde Betriebe“ vor allem die Umgestaltung des Freibades wichtig, für das er ein durchdachtes Gesamtkonzept forderte, in dem ein Campingplatz integriert werden sollte. Die weitere Entwicklung des Tourismusortes lag bei ihm mit in der Verantwortung des Gewerbevereins, der dazu beitragen sollte, dass attraktive Angebote für die Gäste entwickelt werden. Auch Feuchtwangens damaliger 2. Bürgermeister Hans Bloos sah in privaten Initiativen einen wichtigen Beitrag, um den „Feuchtwanger Raum zum Fremdenverkehrsbereich zu machen“. Er unterstrich dabei sein persönliches Ziel, „die Stadt weiter attraktiv zu gestalten, das heißt, das Erhaltenswerte zu pflegen und herauszustellen.“

Für den damaligen Rathauschef Eduard Lorenz war Feuchtwangen im Jahr 1969 für die Zukunft gut aufgestellt. Wörtlich schrieb der 1. Bürgermeister: „Die Weichen sind gestellt, es kann alles kommen, wir sind vorbereitet“. Das Stromnetz war für die Anforderungen der damaligen Zeit erneuert, das Wassernetz stand kurz vor der Ertüchtigung und Feuchtwangen wurde durch die Unterstützung des Abgeordneten, Ministers und späteren Bundestagspräsidenten Richard Stücklen zum „Bundesausbauort“ und erhielt damit wichtige Gelder aus einem Förderprogramm der Bundesrepublik Deutschland für den ländlichen Raum.

Vor 1.200 Jahren wurde das Benediktinerkloster zum ersten Mal in einem historischen Dokument, der „Notitia de servitio monasteriorum“, im Jahr 819 erwähnt. Das Kloster gehört dabei zu vier Klöstern „in Allamannia“, die Abgaben als Unterstützung für Kaiser Ludwig den Frommen erbrachten. Diese Ersterwähnung ist der Feiergrund für unser Jubiläum „1.200 Jahre Feuchtwangen“.


Stadt Feuchtwangen, Kirchplatz 2, 91555 Feuchtwangen
Kontakt   Facebook   Impressum   Datenschutzerklärung