FEU1200

Froumund

Vor etwas mehr als eintausend Jahren wurde der Mönch Froumund nach Feuchtwangen geschickt, um dort das darniederliegende Kloster wieder aufzubauen. Froumund berichtet in seinen Briefen recht lebensnah aus dem Klosterleben, unter anderem von dem Gekreische der Vögel, die den Gottesdienst stören und bittet, weil der Schnee selbst auf den Altar fällt, um Leinentücher, damit die Fenster verschlossen werden können. Diese und andere Sorgen können Sie von unserem Mönch Froumund in kurzweiligen Führungen erleben.

22.07.

Führung - Der Mönch Froumund: Die Sorgen und Nöte eines Mönches um das Jahr 1000 in Feuchtwangen

Montag, 22. Juli 2019, 19:30 Uhr, Marktplatz bei der Touristinformation Feuchtwangen

Froumund von Tegernsee wurde etwa um das Jahr 960 in Südwestdeutschland geboren. Tegernseer Mönche, darunter Froumund, wurden nach Feuchtwangen geschickt, um hier das Kloster wiederzubeleben. In Briefen beschreibt Froumund die oftmals nicht ganz so guten Zustände rund um Jahrtausendwende im Kloster. Von den Schriften, die überliefert sind, nehmen die „Feuchtwanger Briefe“ dabei eine besondere Rolle ein. Im „Codex latinus monacensis“ wird ein lebendiges Bild einer Klostergemeinschaft um das Jahr 1000 vermittelt.

Der Mönch Froumund

Froumund von Tegernsee wurde um das Jahr 960 in Südwestdeutschland geboren. Zu seinen ersten Lebensjahren ist heute lediglich der Name seiner Mutter Ilisa bekannt. Bereits im Jugendalter soll Froumund seinem Mutterkloster in Tegernsee beigetreten sein. Im Jahr 990 gibt es die erste schriftliche Erwähnung des Benediktinermönches in Zusammenhang mit einer Weiterbildung im Kloster St. Pantaleon in Köln. Innerhalb der Jahre 993 bis 995 wurde Froumund für eine wirtschaftliche und geistliche Erneuerung des Salvator-Klosters nach Feuchtwangen gesandt. Nach drei bis vierjähriger Reformierungsarbeit kehrte er in sein Mutterkloster nach Tegernsee zurück und war als Klosterlehrer und Schreiber in der Kanzlei tätig. Während dieser Zeit entstand mit der „Tegernseer Briefsammlung“ Froumunds wohl bekanntestes und bedeutendstes Werk. Bis zu seinem Tod stand er stets im Dienst des Kloster Tegernsee, wo er kurz vor 1006 sogar die Priesterweihe empfing. An einem 20. Oktober der Jahre 1008 bis 1012 verstarb Froumund von Tegernsee. Das genaue Datum lässt sich aus den Überlieferungen nicht erschließen.

Verhältnisse zur Zeit von Froumund
Seit Jahren zogen die Magyaren in Beutezügen durch die Länder und raubten der Landbevölkerung Vieh und Ernte. Infolge der wiederholten Ungarneinfälle verordnete Herzog Arnulf von Bayern im Jahr 907 den Einzug von kirchlichen und klösterlichen Besitz für den Neuaufbau eines Heeres. Auch bei Froumunds Mutterkloster in Tegernsee machten sich die Folgen der weltlichen Konfiskation mit herben Verlusten der Ländereien und Güter bemerkbar. Zur gleichen Zeit strebten die Bistümer eine zunehmende Ausweitung des Eigenkirchenwesens an, indem immer mehr Klöster ihre Stellung als Reichskloster verloren und als Eigenkloster in die direkte Abhängigkeit des Bistums gelangten. Auch das Kloster in Feuchtwangen ging im 10. Jahrhundert als Eigenkloster in den Besitz des Hl. Ulrichs, Bischof von Augsburg. Damals war Feuchtwangen für die Bistumsleitung ein wichtiger Stützpunkt an der nördlichen Grenze der Diözese, da sich Grundeigentum in und um Feuchtwangen im Besitz Augsburger Bischöfe befand. Mit der Übernahme des Salvator-Klosters wollte Bischof Ulrich die Augsburger Güter enger an das Eigenkloster binden und einer möglichen Konfiskation der weltlichen Herrscher zuvorkommen. Um ein korrekt ablaufendes Klosterleben zu gewährleisten, setzte Bischof Ulrich in allen seinen Eigenklöstern einen Abt ein, der auf Vorfälle vor Ort schneller reagieren konnte als der in Augsburg lebende Bistumsleiter. Weshalb das klösterliche Leben im Salvator-Kloster Ende des 10. Jahrhunderts in wirtschaftlicher und geistlicher Hinsicht am Boden war, lässt sich nur spekulativ erklären. Inwieweit der Übergang zum Eigenkloster, veränderte Führungsstile der Nachfolger Ulrichs oder der Einfluss weltlicher Herrscher am schlechten Zustand des Feuchtwanger Klosters verantwortlich waren, ist nur zu erahnen. Letztendlich bedarf es einer über dreijährigen Reformierungsarbeit der Tegernseer Mönche, um das Kloster in Feuchtwangen über Jahre hinweg überlebensfähig zu machen.

Die „Tegernseer Briefsammlung“ und ihr kulturgeschichtlicher Wert
Die sogenannte „Tegernseer Briefsammlung“ ist Froumunds wohl bekanntestes und bedeutendstes Werk. Die Tegernseer Briefsammlung ist die älteste ihrer Art, die von einem Mann um die erste Jahrtausendwende angefertigt und mit eigenen Werken ausgeschmückt wurde und heute noch vollständig im Original erhalten ist. Inhaltlich beschreibt Froumunds Zusammenstellung das klösterliche Leben seiner Zeit sowie die Situation im wieder aufblühenden Kloster Tegernsee. Seine Briefsammlung ist damit sowohl für Tegernsee als auch für ganz Bayern von hohem kulturgeschichtlichen Wert.

Die gesamte Tegernseer Briefsammlung besteht aus zwei Teilen, wobei nur die erste Hälfte als Werk Froumunds bezeichnet werden kann. Froumunds Teil der Briefsammlung besteht aus insgesamt 93 Briefen, vermischt mit 36 eigenen Gedichten des Benediktinermönches und wurde von ihm nach seiner Rückkehr aus Feuchtwangen um das Jahr 1005 eigens zusammengestellt. Während seiner Zeit als Schreiber in der Kanzlei in Tegernsee redigierte Froumund gemeinsam mit seinen Schülern Briefe aus einem Zeitraum von etwa 15 Jahren (993-1008) und verknüpfte sie in chronologischer Ordnung in seinem Sammelwerk. Nur insgesamt 16 der 93 erfassten Briefe haben Froumund als Absender. Zwar stammen auch die übrigen 77 Briefe überwiegend aus seiner Feder, jedoch haben sie Tegernseer Äbte und andere Personen mit Bezug zum Kloster als Adressanten.

Bis zur Säkularisierung und Auflösung des Tegernseer Klosters im Jahr 1803 war Froumunds Sammelwerk in Tegernsee gelagert. Anschließend wurde die Tegernseer Briefsammlung in den Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek aufgenommen, wo sie noch heute als Teil bayerischer Kulturgeschichte aufbewahrt wird.

Das Salvator-Kloster in den „Feuchtwanger Briefen“
Die ersten 16 Briefe der Tegernseer Briefsammlung sind die sogenannten „Feuchtwanger Briefe“. Sie wurden von Froumund und dem Tegernseer Abt Wigo während ihrer Reformierungsmission in Feuchtwangen verfasst und überliefern ein Bild zu den Aufbauarbeiten und Missständen im Salvator-Kloster Ende des 10. Jahrhunderts.
Wigos ersten Briefe mit der Bitte um personelle sowie materielle Aufstockung aus Tegernsee zeugen von der mangelhaften Ausstattung des Salvator-Klosters bei der Ankunft der Tegernseer Delegation. Den Feuchtwanger Mönchen fehlte es an Erfahrung im Umgang mit verantwortungsvollen Aufgaben, sodass die Tegernseer jegliche Arbeiten selbst übernehmen mussten. Zudem erschwerte das Fehlen einfachster Dinge, wie z.B. Leinentücher zum Verschließen der Kirchenfenster, das klösterliche Leben in Feuchtwangen. Wigo und seine Gesandtschaft fokussierte sich bei der Rettung des Salvator-Klosters zunächst auf den wirtschaftlichen Aufschwung sowie die Weiterbildung der Feuchtwanger Mönche. Die Tegernseer Reformierungsmönche waren bemüht, die bestehenden Güter und Rechte des Klosters meist aus weltlicher Hand zurückzugewinnen und die Erträge zu vervielfachen. Froumund agierte indessen als Klosterlehrer und Schreiber in der Kanzlei in Feuchtwangen, wie aus seinen brieflichen Anfragen nach Pergament und Lehrbüchern ersichtlich ist.

Mit zunehmender Dauer der Reformierung hatten die Tegernseer Mönche immer mehr mit Widerständen zu kämpfen. Insbesondere mit den weltlichen Nachbarn kam es im Verlauf des klösterlichen Wiederaufbaus vermehrt zu ernsthaften Auseinandersetzungen. Neben anfänglich materiellen Schäden, u.a. durch das Zerstören von Wiesen oder dem Verlust von Fisch und Schaf, beklagte Wigo am Höhepunkt der Streitigkeiten die Ermordung eines Klostermitglieds. Infolge des tödlichen Vorfalls kam es zum abrupten Ende der drei- bis vierjährigen Reformierungsmission. Trotz der verfrühten Abreise war die Arbeit der Tegernseer Mönche erfolgreich und machte das Salvator-Kloster in Feuchtwangen für viele Jahre überlebensfähig.

Der Mensch Froumund von Tegernsee
Nicht nur wegen seiner Tegernseer Briefsammlung zählt Froumund bis heute zu den bedeutenden europäischen Schriftstellern in lateinischer Sprache des 9. und 10. Jahrhunderts. Sein ganzes Leben fühlte sich Froumund als Lehrer berufen, weshalb er lange Zeit die Priesterweihe ablehnte. Er sah seinen Sinn im Aneignen von Wissen, um dieses Wissen an andere weiterzugeben. Seine Beschäftigungen mit den Wissenschaften der Philosophie, Philologie und Grammatik basieren daher vor allem auf seiner Tätigkeit als Lehrer und weniger auf der Arbeit eines Wissenschaftlers. Auch seine Schriften wie die Tegernseer Briefsammlung finden ihren Ursprung in seiner Berufung als Lehrer, da er seine Werke meist mit dem Zweck zum Erhalt von Wissensgut erstellte. Neben seiner privaten Leidenschaft für die Dichtkunst, die mit seinen 36 Gedichten auch in der Tegernseer Briefsammlung ersichtlich wird, findet Froumund in der griechischen und lateinischen Sprache und Kultur seine Hauptinteressen.

Froumund-Briefe im O-Ton

Als der Mönch Froumund von Tegernsee im Jahre 993 zusammen mit dem Abt Wigo nach Feuchtwangen gesandt wurde, lag einiges im Argen mit dem noch jungen Kloster. Während bei der Erstnennung im Jahr 819, dem Feiergrund unseres Jubiläums, das Kloster noch als mittelbegütert eingestuft wird, muss sich die Lage in den darauffolgenden Zeiten radikal gewandelt haben. Die bis heute überlieferten Briefe des Mönches werfen daher kein besonders gutes Licht auf die Zustände rund um das Jahr 1000 in dem Kloster an der Sulzach. Man würde heute wohl sagen, dass es am Management hakte. So ist von Abt Wigo der Ausspruch überliefert: „Alle Klosterschlüssel trage ich selbst rundum klirrend an meinem Gürtel. Obendrein muss ich jeder Störung der gewohnten Ordnung behutsam zuvorkommen. Bald muss ich mich um eine Brotzeit kümmern, bald den Köchen Anweisungen geben, zuweilen bin ich für Erfrischung zuständig, aber immer muss ich allen Hausgenossen, die gerade darinnen weilen, wie auch den Gästen, die unvermutet dazukommen, zu Diensten sein.“

Die Situation vor Ort ist so schlecht, dass Abt Wigo sein Tegernseer Kloster bittet, mehr Mönche und vor allem Ausrüstungsgegenstände nach Feuchtwangen zu senden, damit ein klösterliches Leben nach den Regeln des Benediktinerordens überhaupt möglich ist. Auch diese Probleme sind in den Briefen Froumunds eindrucksvoll überliefert: „Wir finden es als lästig, wenn wir beim Gottesdienst in der Kirche gegen das Gekreisch der Vögel mit unserem Gesang nicht ankommen. Sie fliegen munter von allen Seiten durch die offenen Fenster hinein. Wenn wir uns zu Boden werfen, von allen Seiten schneeumweht, so bewegen wir uns im Schmutz. Aber trotzdem würden wir dies gemeinsam ertragen, wenn wir nur den Altar des Herren vor dem Schnee schützen könnten. Die brennenden Kerzen flackern im Wind und verlöschen unter vielen wächsernen Tränen. Wenn ihr uns zum Verschließen der Fenster einige Leinentücher gebt, könnt ihr leicht diese Klage stillen“. Die Unterstützung wurde nicht versagt. Der Austausch zwischen den Feuchtwanger Mönchen und den Klosteroberen in Augsburg und Tegernsee ist eng und daran orientiert, endlich die nach den Bendediktusregeln notwendige Ordnung zu schaffen. So kann man sich wohl einigermaßen sicher sein, dass auch Abt Wigo ein genauer Verwalter des ihm anvertrauten Klosters war. Über das Werkzeug im Klosterbetrieb heißt es: „Der Abt führe ein Verzeichnis all dieser Dinge. So weiß er, was er gibt, und was er zurückerhält, wenn die Brüder einander in den zugewiesenen Aufgaben ablösen. Wenn einer die Sachen des Klosters verschmutzen lässt oder nachlässig behandelt, werde er getadelt.“

Wir werden im Laufe des Jubiläumsjahres noch einige herausragende Persönlichkeiten kennenlernen, die eine gute Bildung und Ausbildung als Garant für eine gute Zukunft der Menschen ansahen und das Streben nach Wissen aktiv förderten. Froumund gehört dabei sicherlich zu den frühesten Förderern Feuchtwangens. Die Einrichtung der Klosterschule, der Bibliothek und der Kanzlei lagen ihm besonders am Herzen. Schmerzlich war es, dass es am Nötigsten fehlte. Und so finden sich entsprechende Wünsche in seinen Briefen: „(...) so bitten wir Euch, Ihr wollt uns für den Gebrauch in geistlichen und weltlichen Sachen einige Pergamentblätter schenken. Denn Ihr wisst ja, dass ich mich zuweilen mit Vergnügen dem Schreiben widme, aber nun habe ich aus Mangel an Pergament keine Möglichkeit dazu, wenn Ihr nicht mit offener Hand helft.“ Und die Lage in der Klosterbibliothek war nicht besser: „Wir bitten Euch also, Ihr wollt uns möglichst bald das größere Buch des Priscian zukommen lassen, damit wir wenigstens zwei Lesebüchlein haben.“

Zu all den unzähligen Mängeln kam noch erschwerend hinzu, dass die Mönche bei umliegenden lokalen Herrschern und bei der Bevölkerung nicht besonders beliebt waren. Über die Anfeindungen ist von Wigo in den Froumund-Briefen überliefert: „Verletzt durch blutende Wunden hatten wir uns beklagt über die vielfältigen Gewalttaten, die uns im Übermut der Sohn des Richard noch und noch zugefügt hat. Eine Besserung ist seither nicht zu bemerken. Vielmehr sind wir wegen dieser Beschwerden allen Bewohnern dieser Gegend verhasst. (...) Alle zusammen verfolgen uns feindselig, und vor allem der Vorgenannte, der nach meiner Rückkehr von Euch in noch aufgeblasener Verwegenheit, weil er dazu die Hilfe der Bürger nicht erhielt, möglichst viele Schwaben zusammenrottete und von ihren Pferden unsere Wiesen größtenteils abweiden ließ. Unser einziges Fischwasser, das wir ihn auszufischen verboten hatten, fischt er weiterhin aus, bald heimlich bald öffentlich.“

Man kann davon ausgehen, dass Froumund wohl nicht besonders traurig darüber war, nach drei oder vier Jahren Feuchtwangen wieder verlassen zu können. Die Lage an der Sulzach eskalierte zunehmend und als sogar einer der Mönche ermordet wurde, rief der Tegernseer Abt seine Gesandtschaft aus Feuchtwangen wohl wieder ab. Mit dem Ende dieses Reformversuchs endeten auch die frühen Überlieferungen. Das Feuchtwanger Kloster findet in der Geschichtsschreibung erst wieder Erwähnung, als es zu einem Kollegiatsstift geworden ist.

Grundlage und Quelle des Froumund-Artikels ist die Schrift „Das Benediktinerkloster und Kollegiatsstift Feuchtwangen (8. – 16. Jahrhundert)“ von Martin Störzer, 1998.

Schon mal vormerken: Führungen mit dem Mönch Froumund

Die Führungen finden statt am:

Wochentag Termin Uhrzeit Treffpunkt
Sonntag 7. April 2019 14:00 Uhr Marktplatz
Mittwoch 1. Mai 2019 15:00 Uhr Marktplatz
Samstag 25. Mai 2019 16:00 Uhr Marktplatz
Dienstag 18. Juni 2019 18:30 Uhr Marktplatz
Freitag 5. Juli 2019 19:00 Uhr Marktplatz
Montag 22. Juli 2019 19:30 Uhr Marktplatz
Freitag 2. August 2019 19:00 Uhr Marktplatz
Samstag 14. September 2019 16:00 Uhr Marktplatz
Donnerstag 3. Oktober 2019 15:00 Uhr Marktplatz
Sonntag 10. Oktober 2019 15:00 Uhr Marktplatz


Die Führung kann für Gruppen zu weiteren Terminen gebucht werden, Anmeldung Tourist-Information Feuchtwangen, Tel. 09852-90455.


Vor 1.200 Jahren wurde das Benediktinerkloster zum ersten Mal in einem historischen Dokument, der „Notitia de servitio monasteriorum“, im Jahr 819 erwähnt. Das Kloster gehört dabei zu vier Klöstern „in Allamannia“, die Abgaben als Unterstützung für Kaiser Ludwig den Frommen erbrachten. Diese Ersterwähnung ist der Feiergrund für unser Jubiläum „1.200 Jahre Feuchtwangen“.


Stadt Feuchtwangen, Kirchplatz 2, 91555 Feuchtwangen
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