FEU1200

Zeitreise

Eine Feuchtwanger Zeitreise in 100 Objekten. Noch bis zum 15. Dezember bietet das Fränkische Museum mit der Sonderausstellung zum Jubiläum faszinierende Einblicke in die Stadtgeschichte.

Feuchtwangens Geschichte und Geschichten entdecken

Wir feiern in diesem Jahr zwar die schriftliche Ersterwähnung Feuchtwangens vor 1.200 Jahren, die greifbaren Besiedlungsspuren in der Region sind jedoch noch deutlich älter. Fundstücke aus der Jungsteinzeit und aus der Völkerwanderungszeit dürfen in der Ausstellung des Fränkischen Museums daher genauso wenig fehlen, wie ein Stoßfänger der Firma Rehau, der die jüngste Geschichte symbolisiert.

Das Spektrum der Objekte ist breit gefächert und reicht von der erwähnten Vor- und Frühgeschichte, über geschichtsträchtige Stücke der Landwehr, der Feuerwehr, aus der Landwirtschaft und des Handwerks bis hin zu Exponaten der Wirtschafts- und Industriegeschichte der Kreuzgangstadt. Mit unterschiedlichen und teilweise auch bisher nie ausgestellten Objekten dokumentiert die Ausstellung den Wandel der Zeit in der Kreuzgangstadt und macht Geschichte und Geschichten greifbar. So sind unter anderem die eisernen Handschellen vom Feuchtwanger Pranger, die Landwehrkanone, handgeschriebene „Vorschreibhefte“, Gedenkmünzen, Schützenscheiben, hölzerne Wasserleitungen und vielfältige Produkte des Feuchtwanger Handwerks zu bestaunen.

Um Appetit auf die Sonderausstellung zu machen, gibt Susanne Klemm, die Leiterin des Fränkischen Museums, Einblicke in oftmals faszinierende Zusammenhänge und Verknüpfungen der Geschichte der Kreuzgangstadt.

Ein Beispiel ist die Ziegelei, an deren Abriss sich viele Feuchtwanger Bürgerinnen und Bürger noch gut erinnern können. Die bereits 1391 gegründete städtische Ziegelhütte wurde über Jahrhunderte an Ziegler verpachtet, die vor den Toren der Stadt Baumaterial für Stadt und Stift lieferten. 1886 erwarb der Zimmermeister Leonhard Fuchs aus Oberahorn die Ziegelhütte und errichtete ein neues Ziegeleigebäude an der Dinkelsbühler Straße, dem ein Dampf-Sägewerk angegliedert wurde. Die Leonhard Fuchs KG war um 1900 der größte Betrieb in Feuchtwangen mit über 100 Angestellten. Spannend ist auch eine andere Firmengeschichte: 1846 gründete Georg Strauß in Feuchtwangen eine lithographische Anstalt mit Steindruckerei zur Herstellung von Lithographien. Ab 1864 druckte Strauß auch den „Bayerischen Grenzboten“, die erste Feuchtwanger Zeitung, im klassischen Bleisatz. Über mehrere Besitzerwechsel ist aus der ehemaligen Steindruckerei die heutige Firma Sommer media hervorgegangen, die sich ganz auf Layout, Mediengestaltung und die Herstellung digitaler Druckdaten spezialisiert hat.

Früher wie heute erreichen Produkte „Made in Feuchtwangen“ über die Stadtgrenzen hinaus eine hohe Nachfrage. So baute die Maschinenfabrik Karl Krauß im 20. Jahrhundert Landmaschinen und Dreschmaschinen für die Region. Die Fränkische Teppichweberei stellte Teppiche her, die Strickerei Hirsch Pullover in industrieller Fertigung für den Versandhandel wie Quelle und Heine. Der Industrie-Riese Rehau produziert seit 1951 in Feuchtwangen. Exportschlager waren zunächst die Halteschlaufen für den VW-Käfer, heute sind es Stoßfänger für die Autoindustrie.
In der Vielfalt der Ausstellungsobjekte werden auch Migrationsgeschichten aufgegriffen, die ein fester Teil der Stadtentwicklung der Nachkriegszeit sind. Erzählt wird beispielsweise von Nazir Hürriyetoglu, der 1973 als einer der ersten Gastarbeiter bei Rehau arbeitete, von Dr. Hans-Georg Müller, der sich nach einer spektakulären Tunnelflucht aus der DDR 1963 über Stationen in Bonn, Berlin und Hof im Jahr 1978 als Arzt in Feuchtwangen niederließ und von Johanna Mantsch, die 1992 aus Siebenbürgen nach Feuchtwangen kam.

Viele der gezeigten Objekte enthalten die Feuchtwanger Fichte, andere firmieren unter dem Namen Feuchtwangen. So gibt es bei der Sonderausstellung mit der Feuchtwanger Birne und der Feuchtwanger Kanne über das Feuchtwanger Migränepulver bis hin zum Feuchtwanger Cent allerhand Merkwürdiges und Kurioses zu entdecken. Selbst Stücke des „Vereins der Feuchtwanger“, jener vermeintlichen „Exil-Feuchtwanger“, die, wie wir ja schon in einem der zurückliegenden Magazine berichtet haben, fern der Heimat in München oder Nürnberg weilen mussten, werden im Fränkischen Museum gezeigt.

Spannend ist Geschichte immer auch dort, wo sich die Historie des markgräflichen Landstädtchens Feuchtwangen mit internationalen Ereignissen verknüpft, wie beispielsweise bei der schrecklichen Hungerkatastrophe von 1816, die durch einen Vulkanausbruch auf einer indonesischen Insel ausgelöst wurde. Und natürlich wird in diesem Zusammenhang über Johann Georg von Soldner berichtet, dessen geniales Schaffen die Vermessung Bayerns prägte.

Alle ausgestellten Objekte sind Zeugnisse der wechselvollen Vergangenheit der Kreuzgangstadt. Die Exponate erzählen die Geschichte Feuchtwangens dabei nicht linear, aber aus unterschiedlichen Perspektiven, in vielen Facetten – hintergründig und authentisch.

Vor 1.200 Jahren wurde das Benediktinerkloster zum ersten Mal in einem historischen Dokument, der „Notitia de servitio monasteriorum“, im Jahr 819 erwähnt. Das Kloster gehört dabei zu vier Klöstern „in Allamannia“, die Abgaben als Unterstützung für Kaiser Ludwig den Frommen erbrachten. Diese Ersterwähnung ist der Feiergrund für unser Jubiläum „1.200 Jahre Feuchtwangen“.


Stadt Feuchtwangen, Kirchplatz 2, 91555 Feuchtwangen
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